Großinvestition am Rhein

Quelle: www.feldmayr.cc / 2014.11.20 Axel Granzow

Krefeld wird Deutschland-Sitz des Schwergutspezialisten Felbermayr

Felbermayr schlägt im Deutschland-Geschäft ein neues Kapitel auf: Der Schwerlogistik-Spezialistaus Österreich verlagert seine Deutschland-Zentrale von Hilden nach Krefeld. „Wir errichten in Krefeld unsere neue Deutschland-Zentrale“, bestätigt Wolfgang Schellerer, Geschäftsführer der Felbermayr Deutschland GmbH. Dazu baut das Welser Unternehmen bis Ende des Jahres seinen Standort im Rheinhafen Krefeld für rund 7 Mio. Euro aus. Die rund 50 Mitarbeiter vom Standort Hilden ziehen in die entstehenden, modernen Betriebsräume im nahegelegenen Krefeld, wo über 100 Arbeitsplätze entstehen sollen. Weitere rund 20 Arbeitsplätze werden bei einem Partner aus dem Bereich Verpackung geschaffen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um dpl duisport

„Wir forcieren generell die Wasserstraße als zukunftsträchtigsten Verkehrsweg für Schwertransporte“, begründet Schellerer den Umzug mit einer neuen strategischen Ausrichtung. Felbermayr will künftig noch stärker auf das Binnenschiff setzen. Kein Wunder: Durch die Übernahme der Duisburger Reederei Haeger & Schmidt, der H&S Container Linie sowie einer Mehrheitsbeteiligung an der belgischen Seehafenspedition RKE von der belgischen Güterbahn-Gruppe SNCB Logistics. Anfang 2013 erweiterte Felbermayr sein Engangement in diesem Bereicht beträchtlich. So verfügen Haeger & Schmidt zum Beispiel über eine Flotte von über 100 Schiffen. Die Zukäufe ermöglichen Felbermayr nun auch Containertransporte inklusive Nachlauf durchzuführen sowie in Befrachtung von Binnnschiffen und als Seehafenspediteur aktiv zu sein.

„Wir wollen daher die Wege für Schwertransporte auf der Straße verkürzen“, erleutert Schellerer. Es werde immer schwieriger, sperrige und schwere Güter in Deutschland über die Straße zu transportieren. Immer mehr Brücken seien in einem so schlechten Zustand, dass sie nur noch mit reduizierten Lasten befahren werden könnten. Daher sei man oft gezwungen, große Umwege mit zahlreichen verkehrslenkenden Maßnahmen in Kauf zu nehmen, um zum Beispiel abgelastete Brücken zu umfahren. In Krefeld sollen demnächst zehn bis 15 Sattelzugmaschinen und Spezialanhänger stationiert werden. Auch Schwertransporte auf der Schiene seien keine wirkliche Alternative zum Straßentransport. Alte Brücken, geringe Durchfahrthöhen, Oberleitungen und eng beieinander liegende Gleistrecken erwiesen sich allzu oft als nicht zu bewältigende

Nadelöhre. Krefeld biete als trimodale Verkehrsdrehscheibe die Anbindung von Schiene und Straße an die Binnenschifffahrt, meint Schellerer. „Wir verbinden von Krefeld aus die linksrheinische Industrie mit den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen sowie mit Zielen in Ungarn und Rumänien.“ Erst kürzlich wurden ca. 40.000 t Betontürme für Windkraftanlagen umgeschlagen und 200 Eisenbahnwaggons nach Russland verschifft. „Dass man in Krefeld Komponenten nicht nur zwischenlagern, sondern auch montieren und just-in-time über die Straße, Schiene oder Binnenschiff ausliefern lassen kann, erhöht unsere Attraktivität natürlich enorm“, rechnet Schellerer mit einer „substanziellen“ Umsatzsteigerung.

Die Fläche des Schwergutterminals in Krefeld wird um 15.000 qm auf 40.000 qm erweitert. In der rund 4.000 qm großen Schwergut-Lagerhalle werden zwei 200-t-Kräne mit einer Spannweite von jeweils 31 m arbeiten. Dort können Anlagen- und Maschinenteile nicht nur gelagert, sondern auch montiert werden. Der Bauplatz galt als eine Herausforderung. Daher musste die Halle mit 176 Betonpfählen im Boden verankert werden. Außerdem mussten Altlasten entsorgt und der Boden nach Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg untersucht werden. „Unser Bauplatz ist unternehmensstrategisch perfekt, allerdings baulich äußerst schwierig“, so Schellerer. Felbermayr arbeitet daher hier mit dem langjährigen Partner Peneder Bau- Elemente GmbH, Atzbach/Österreich, zusammen.

Felbermayr betreibt bereits seit dem Jahr 2011 ein Schwergutterminal im Hafen Krefeld. Der Hafen verfügt an einer verstärkten Kaimauer über einen 200-t-Kran, der in Kombination mit weiteren mobilen Kränen bis zu 450 t heben kann. Neben Krefeld betreibt Felbermayr den SchwerguthafenLinz in Österreich an der Donau, der für die Anlage in Krefeld Modell stand. Außerdem expandiert das Unternehmen gerade auch im Wiener Hafen Albern. Dort wird in diesem Jahr eine Freilager fläche errichtet und der Kai für die Anforderungen der Schwergutlogistik hergerichtet.

Die Felbermayr Holding GmbH ist die Dachorganisation für 26 operative Tochtergesellschaften aus dem Bereich Transport- und hebetechnik sowie Tief- und Hochbau. Das Unternehmen wurden 1967 von Horst Felbermayr gegründet, der gemeinsam mit seiner Frau Gisela, seinem Sohn Horst sowie Albert Feldbauer die Geschäft der Holding leitet. Das Familienunternehmen geht aber bereits auf das Jahr 1942 zurück, als Franz Felbermayr ein Transportunternehmen eröffnete. Mit 78 Standorten in 18 Ländern ist Felbermayr heute europaweit vertreten. Die Gruppe beschäftigt rund 2.800 Mitarbeiter. Der konsolodierte Nettoumsatz wird für das Jahr 2013 auf 468 Mio. Euro beziffert.

packing logistics, eine Tochter der Duisburger Hafen AG.