Krefelder Hafen hat landesweite Bedeutung



Quelle: Zeitung: WZ Erscheinungsdatum: 12.03.2016 - Ausgabe: KR - Ressort: L - Seite: 20 / Von Wolfhard Petzold

Der viertgrößte Binnenhafen in NRW hat sich zur logistischen Hauptschlagader der Industrie am Niederrhein entwickelt.

Zahlen sagen mitunter mehr als viele Worte. Schon vor sieben Jahren rechnete Planco Consulting anlässlich der Eröffnung des Container Terminals vor, dass 18 000 Arbeitsplätze der Region vom Hafen abhängig sind und die Wertschöpfung für Krefeld 800 Millionen Euro beträgt. Der damalige Stadtkämmerer registrierte, dass zehn Prozent der Steuereinnahmen durch den Hafen und die ihn nutzenden Firmen bedingt sind. Dank der positiven Entwicklung des Umschlags haben sich diese Werte noch verbessert. Die Stadtverwaltung sprach zuletzt von inzwischen 22 000 abhängigen Arbeitsplätzen.

Das Thema
Der Hafen boomt

Auch die aktuellen Geschäftszahlen beeindrucken. Mit einem Gesamtvolumen aus Schiffs− und Eisenbahnumschlag von 4,7 Millionen Tonnen im Jahr 2015 ist Krefeld der viertgrößte öffentliche Binnenhafen in NRW. Damit wird nicht nur der Umschlag des Vorjahres von 4,5 Millionen Tonnen übertroffen, sondern auch der Umsatz von 9,76 Millionen Euro. „Wir bleiben 2015 zwar noch unter einem zweistelligen Millionenumsatz, erreichen aber zum ersten Mal solide schwarze Zahlen“, sagen Elisabeth Lehnen und Sascha Odermatt. Die Geschäftsführer der Rheinhafengesellschaft hätten dieses Ziel, wie von den Gesellschaftern Stadt (51%) und Neuss−Düsseldorfer Häfen (49%) erwartet, schon früher erreicht, hätten nicht die Nachwirkungen des Großbrands bei Compo 2012 und die lange Niedrigwasserperiode 2014 das Ergebnis verhagelt.

„Wir bleiben 2015 zwar noch unter einem zweistelligen Milliardenumsatz, erreichen aber zum ersten Mal solide schwarze Zahlen.“ (Elisabeth Lehnen, Sascha Odermatt, Hafengeschäftsführer)

„Erst in diesem Jahr wird der Transfer von Düngemitteln bei Compo wieder die ursprüngliche Menge erreichen“, sagt Odermatt. Dass das Etappenziel „Schwarze Zahlen“ jetzt geschafft ist, sei auch ein Beleg dafür, dass Strategie und Pläne aufgegangen sind. Das soll im nächsten Jahr noch besser werden. Dann beleben drei Neuansiedlungen den Hafenumschlag. Die Firma Brockmann−Holz, gerade von Düsseldorf an die Bataverstraße gezogen, hat den Betrieb bereits aufgenommen und will künftig das Exportholz aus ihrem Lager in Antwerpen per Binnenschiff nach Krefeld transportieren. Das Handelsunternehmen VGG errichtet derzeit sein Deutschlandlager für Weiße Ware (Hausgeräte) am südlichen Ende des Hafenbeckens und will im Juli eröffnen. Ende des Jahres will die Baumarktkette Bauhaus ihr Importlager für Europa per Containerbestücken und die Ware von Krefeld aus verteilen.

Wachstum trotz Flächenmangels

Mit diesen Ansiedlungen sind zumindest alle großen Flächen im Rheinhafen belegt, was ein weiteres Wachstum einschränkt. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, um hafennahe Gewerbe− und Industriegebiete mit dem Hafen zuverknüpfen, zum Beispiel durch einen Container−Shuttle−Verkehr“, sagt Odermatt. Dies soll in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung geschehen, die auch bei den Neuansiedlungen mitgewirkt hat. Eine Alternative für Ansiedlungen sei das gemeinsam mit Meerbusch geplante Gewerbegebiet an der A 44. Eine weitere Option seien trotz allen Wettbewerbs auch Kooperationen wie mit dem Duisburger Hafen. So habe man das VGG−Projekt nur durch eine gemeinsame erbbaurechtliche Grundstückslösung umsetzen können. Reaktivieren will man die alte Südwerft am Hafenbecken (vormals Metallwerke Bender) für den Massengutumschlag der umliegenden Recyclingfirmen. „Die Werft mit intaktem Schiffsanleger liegt seit dem Zweiten Weltkrieg brach“, berichtet Lehnen.

Krefeld hat den Status eines landesbedeutsamen Hafens

Erhebliches Wachstumspotenzial sieht die Geschäftsführerin im Bahngeschäft. Das trug 2015 mit einer mehrals 20−prozentigen Steigerung auf 1,6 Millionen Tonnen Transportgut zur Geschäftsentwicklung bei und könnte auf den Strecken der Deutschen Bahn im regionalen Umfeld ausgebaut werden. Im Übrigen sei man dabei, die Hafengesellschaft mit ihren 50 Mitarbeitern an die Entwicklung nach den Regeln des modernen Qualitätsmanagements anzupassen. „Der einzige Wermutstropfen ist, dass das Eisenbahnbundesamt die schon avisierten Fördergelder in Höhe von 80 Prozent des Gesamtvolumens für den Ausbaudes Linner Hafenbahnhofs bis 2020/22 zurückgestellt hat“, sagt Odermatt.

Bernd Neffgen, IHK-Geschäftsführer Standortpolitik: „Der Krefelder Hafen hat im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans und des neuen Hafenkonzepts NRW den Status eines landesbedeutsamen Hafens. Er sichert die Versorgung der Industriebetriebe der Region und entwickelt sich zu einem logistischen Hot Spot.“